Wenn im Herbst die Blätter der Bäume ihren
schönsten
Farben zeigen, sind es die des Ginkgobaumes, die in Parks und an
Straßenrändern wie pures Gold leuchten. Sie flirren und
strahlen, denn die eigentümlich zweigeteilten Blätter mit den
strahlenförmig auseinanderlaufenden Blattnerven, veranlassen das
Laub bei der geringfügigsten Brise zu flattern. Ginkgos haben
häufig an der Rinde schöne Kristalle (Drusen) aus
Kalziumoxalat.
Engelbert Kaempfer entdeckte den Ginkgo 1691 in Japan. Der
bis zu 30
Meter hohe Ginkgobaum (Ginkgo biloba, ausgesprochen Gingo Beilowa) ist
mit einem Umfang von bis zu neuen Metern, der Vertreter einer uralten,
ausgestorbenen Baumfamilie. Er ist die alleinige lebende Verbindung
zwischen Farnen und Nadelbäumen. Ginkgos haben eine
urwüchsige Lebenskraft und passen sich den Umweltbedingungen gut
an. Zwei Ginkgobäume überstanden den Atombombenangriff in
Hiroshima und werden auch heute noch als Naturdenkmal bestaunt.
Der Ginkgobaum ist zweihäusig, das heißt: es gibt
männliche und weibliche Ginkgobäume. Die weiblichen
Bäume entwickeln gelbe Kirschfrüchte, die man (auf keinen
Fall roh, Vergiftungsgefahr!) essen kann. Weibliche Bäume
produzieren drei bis fünf Jahre Samen und das 20-35 Jahre lang.
Ginkgobäume können sich auch asexuell reproduzieren. Ihr
Geschlecht kann nicht leicht bestimmt werden.
Gelegentlich werden beide Geschlechter auf dem gleichen Baum
gefunden.
In deutschen Städten machten Stadtgärtner in den vergangenen
Jahren die Erfahrung, dass eine Anpflanzung von weiblichen Bäumen
nicht unbedenklich ist. Ihre Früchte riechen, wenn sie reif sind,
nach Buttersäure. Wenn sie berührt werden, können sie
Hautirritationen hervorrufen.
Der Ginkgo - Kennzeichen von Tokio - ist ein Symbol der
Samurailoyalität. Ein Haiku besagt, dass "die Nüsse als
Perlen für einen lieben Gast“ betrachtet werden. Johann
Wolfgang von Goethe fühlte sich durch den ästhetischen Charme
des Ginkgos, angesprochen.
Ginkgo ist in China und Japan, wegen seines Schutzes vor
Feuer, der
prägnanten Samenform und seiner Schönheit als Symbol der
Einheit, Energie, der Hoffnung und der Liebe bekannt. Er wird dort als
Naturdenkmal und „Panda des Pflanzenreichs“ angesehen und
verehrt. Einzelne Bäume können - so wird von Botanikern
angenommen - länger als 3.000 Jahre leben. Wegen seiner
natürlichen Widerstandskraft gegen Krankheiten, Insekten,
Luftverschmutzung, Feuer und radioaktiven Strahlung wird er als
Straßenbaum verwendet.
Die Samen werden geröstet zum Tee genascht, gedämpft, in
Suppen, auf dem Gemüseteller oder mit Reis und Tofu gemischt,
gegessen. Beim Reiswein trinken sollen sie einem „Kater“
vorbeugen. Ginkgonüsse werden in der Traditionellen Chinesischen
Medizin (TCM) verwendet. Die Blätter unterstützen die Heilung
von Asthma, Husten. In einigen Fällen können sie Vergiftung
hervorrufen. Das hellfarbige, gelbe Holz wird für Skulpturen,
Teeregale, Schachbretter, insektensichere Schreine, Schüsseln
genutzt. Aus dem weiblichen Baum wird Papier hergestellt.
Der Ginkgo kann durch die Samen oder Stecklinge vermehrt
werden. Er
bevorzugt volle Sonne und viel Wasser. Junge Bäume benötigen
im Mittsommer einen Sonnenschutz. Yoko Ono, die Witwe des Musikers und
Komponisten John Lennon, pflanzte im Jahr 2000 in Detroit, Michigan,
einen Ginkgobaum. Sie beteuerte, dass er die geheimen Wünsche der
Bittsteller in die Rinde gehaucht, erfüllt. Es gibt eine
internationale Baumliste, in der viele Standorte von Ginkgobäumen
aufgeführt werden.