Archäologische Funde auf Kreta und in Syrien deuten darauf
hin, dass der Oliven- oder Ölbaum (Olea europaea) schon seit
dem 4. Jahrtausend v. Chr. als Kulturpflanze geschätzt wird.
Kaum eine andere Pflanze hat einen so hohen Symbolcharakter und wurde
gleichermaßen bei Homer, in der Bibel und im Koran
erwähnt.
Den Ländern und Landschaften seiner Heimat, dem Mittelmeerraum
und Nahen Osten, verleiht der Olivenbaum bis heute eine ganz
signifikante Prägung. Da muss es nicht erstaunen, dass
Menschen des Nordens versuchen, den Olivenbaum mit seiner im Alter
immer bizarrer werdenden Schönheit in die heimatlichen
Gärten zu verpflanzen.
Dass sich der Olivenbaum einer Anpflanzung über den 30sten
nördlichen Breitengrad hinaus widersetzt hat, hat seiner
Beliebtheit und dem Wunsch vieler Gartenfreunde, ihn daheim im eigenen
Garten bewundern zu können, nicht geschadet: Der Olivenbaum
erfreut sich auch im hohen Norden als Kübelpflanze zunehmender
Beliebtheit.
Doch für manchen Naturfreund, der sich im Sommer beim Anblick
seines Olivenbäumchens an südliche Gefilde erinnert
fühlte oder der den Olivenbaum gar als Souvenir aus dem Urlaub
am Mittelmeer heim gebracht hatte, kommt im ersten Winter oft die
große Enttäuschung: Der doch als immergrüne
Pflanze bekannte Olivenbaum wirft seine kleinen,
silbrig-glänzenden Blätter teilweise oder auch ganz
ab, obwohl er rechtzeitig vor Frost geschützt und ins
Winterquartier gebracht worden ist. Was ist hier geschehen?
Zu allererst ist wichtig zu wissen, dass der Blattverlust keine
Katastrophe bedeutet und sich der Olivenbaum, sofern im Winterquartier
nicht ganz gravierende Fehler gemacht wurden (völlige
Trockenheit über längere Zeit), im Frühjahr
wieder erholen wird. Doch der massive Abwurf von Blättern
deutet auf falsche Behandlung während des Winters hin.
Dabei ist der Olivenbaum nicht anspruchsvoll und verträgt
sowohl kühle und dunkle als auch relativ warme und helle
Winterquartiere. Doch gilt hier die Regel, dass benötigte
Helligkeit und Feuchtigkeit in direktem Verhältnis zu der
Raumtemperatur stehen, der Olivenbaum also relativ viel Wasser auch
während des Winters benötigt, wenn er hell und warm
steht und wenig Wasser, wenn der Winterstandort dunkel und
kühl ist.
Da er über die Blätter während des ganzen
Jahres Feuchtigkeit abgibt, muss ihm auch ganzjährig
Feuchtigkeit zugeführt werden. Bei sehr dunklem Standort ist
Blattverlust unvermeidlich.
In manchen Fällen kann ein Befall von Blattläusen
oder Schildläusen Ursache für den Blattverlust sein;
der Olivenbaum sollte deshalb während der Winterzeit des
Öfteren auf Schädlinge untersucht und gegebenenfalls
entsprechend behandelt werden.
Wichtig ist, die scheinbar verdorrten Ästchen eines
Olivenbaumes im Frühjahr nicht zu voreilig zu entfernen,
sofern sie nicht vom gewollten Zuschnitt betroffen sind. An der
frischen, warmen Luft kann der Olivenbaum auch aus scheinbar
vertrocknetem Holz heraus neue Blätter treiben. Man muss dem
Ölbäumchen im Frühjahr nur etwas Zeit,
Wasser und Düngung geben, damit er nicht nur seine alte
Schönheit wieder zeigen, sondern zudem in voller
Blüte erfreuen kann.