Diese Pflanze ist fast völlig aus den Gärten verschwunden. Ab und zu wächst sie wild am Waldrand. Ihre große Zeit kommt im Herbst, wenn ihre Früchte reif sind. Dabei bietet sie den Menschen und den Tieren viel.
Die Schlehe gehört biologisch gesehen zu den Rosengewächsen, wird auch Schwarzdorn genannt und war früher als Hecke um Grundstück und Ställe sehr geschätzt. Das lag einerseits daran, dass die Hecke sich im Lauf der Jahre verdichtet, wenn sie nicht geschnitten und ausgelichtet wird. Andererseits wird der Schlehe nachgesagt, dass sie vor Hexen und Zauberei schützt. In einer Welt, die von Aberglauben durchzogen war, bot die Schlehenhecke den wirksamsten Schutz gegen unheilbare Krankheiten und unvorhergesehene Unfälle.
Für die Vogelwelt und die Imkerei übernimmt eine Schlehenhecke tatsächlich wichtige Funktionen, da sie mit ihren Dornen die Nester von Vögeln vor Verbiss schützt und so früh ihre Blüten austreibt, dass Bienen und Schmetterlinge reichlich Nahrung finden. Die Schlehe ist anspruchslos und wächst auch auf trockenen Böden. Sie braucht allerdings einen sonnigen Standort. Als Begrenzung für Wiesen und zum Wiederaufforsten von kahlen Flächen wird sie heute geschätzt.
Da eine Schlehe gut drei Meter hoch wird, dienen die Früchte der Schlehe als Futter für Vögel. Aus den weißen Blüten entwickeln sich kleine, runde Früchte um einen Steinkern. Typisch für die Schlehe ist, dass die grünen Blätter erst nach der Blüte austreiben und dass Dornen die Früchte schützen. Das hält Fressfeinde fern. Die Früchte sind blau, bis zum ersten Frost ungenießbar und erscheinen danach schwarzglänzend.
Die Kälte sorgt für das eigentliche Aroma der Schlehe. So gehört sie wie die Quitte zu den letzten Früchten des Jahres, die geerntet werden. Für den Garten reicht eine Schlehe vollkommen aus, da sie sich, wenn sie nicht geschnitten wird, von selbst vergrößert. Sie vermehrt sich nicht nur durch die Steinkerne, sondern treibt auch selbst neue Triebe aus, d.h. an den Wurzelenden wachsen neue Schlehen empor.
In der Küche sind Schlehe als Grundlage für Likör und Branntwein beliebt. Aber auch Mus oder Marmelade wird aus den Früchten gewonnen. Wenn die Früchte noch vor dem ersten Frost geerntet werden, müssen sie für 24 Stunden ins Eisfach oder in die Eistruhe und sollten erst danach verarbeitet werden. In der Medizin werden die Blüten der Schlehe verwendet.
Im Mittelalter gewannen Mönche aus der Rinde der Schlehe die typische Tinte, damit sie Bücher schreiben konnten. Die Rinde wurde mehrmals ausgekocht und mit Wein versetzt, damit die dunkle Tinte haltbar wurde. Wirklich lichtbeständig ist sie leider nie gewesen.
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