Eine der beliebtesten Gartenpflanzen ist das
Stiefmütterchen. Sie kommt
in einer Häufigkeit und Vielfalt vor, die kaum mit einer anderen
Pflanze vergleichbar ist: Die Gattung der Viola umfasst sage und
schreibe 500 mehrjährige und einjährige Arten – das Stiefmütterchen
kommt also keineswegs stiefmütterlich daher.
Die Blumen sind von niedrigem Wuchs, zumeist einjährig,
manchmal auch zweijährig, und werden zum Teil als winterharte Pflanzen
kultiviert. Sie sind nach den Primeln, Krokussen und Schneeglöckchen
die ersten Frühlingsboten, die besonders durch ihre ungewöhnliche
Zeichnung auffallen, denn die schwarzen Innenbereiche der Blüten - die
in leuchtende Blütenränder eingebettet sind - wirken beinahe wie Augen,
die uns auf faszinierende Weise anzusehen scheinen.
Durch eine phantasievolle, durchdachte Kombination
verschiedener Sorten, kann man sich das ganze Jahr über an der
herrlichen Blütenpracht von Stiefmütterchen erfreuen. Die Blüten selbst
besitzen zwei obere, zwei seitliche und ein einzelnes unteres
Kronenblatt, das am unteren Ende eine kleine Röhre, den Sporn bildet.
Hier hinein wird der Nektar der Pflanze abgesondert.
Die „Augen“ der Blüte absorbieren die UV-Strahlen der Sonne,
während die restliche Blüte das UV-Licht reflektiert. Die
absorbierenden Bestandteile der Blüte sind für Insekten von großer
Wichtigkeit, denn diese spüren den Unterschied im Verhalten der Pflanze
zum Licht stark und lassen sich dort besonders gerne nieder.
Sprachlich wird nicht eindeutig zwischen Veilchen und
Stiefmütterchen unterschieden. Der Handel trifft seine Differenzierung
im Wesentlichen nach der Größe: großblumige und intensiv gefärbte
Viola-Pflanzen gelten als Stiefmütterchen, kleinere Formen nennt man
meist Veilchen.
Stiefmütterchen wirken in Beeten besonders schön. Auch
Schalen eignen sich sehr gut, um mit ihnen bepflanzt zu werden. Freunde
ausdrucksstarker Farben werden immer Stiefmütterchen den Veilchen
vorziehen. Als Dekoration vor der Haustür oder auf der Terrasse bilden
sie im beginnenden Frühjahr einen idealen, farbenfrohen Blickfang. Die
Pflanzen, die aus Samen gezogen wurden, setzt man jedes Jahr neu und
muss sie nach einigen Wochen entfernen, wenn sie unansehnlich geworden
sind.
Die Veilchen sehen aus wie kleine Stiefmütterchen, die es
zwar auch in vielen Schattierungen gibt, jedoch nicht in der großen
Farbfülle, die wir von den Stiefmütterchen kennen. Ihr Duft ist zwar
sprichwörtlich, doch es sind lediglich das Duftveilchen und ihre
Hybriden, die ein so intensives und angenehmes Aroma verbreiten.
Stiefmütterchen kommen bei uns auch wild wachsend vor. Doch
sollte man der Versuchung widerstehen, sie zu pflücken, denn in einer
Vase geben sie keine besonders gute Figur ab und lassen bald ihre Köpfe
hängen. Am schönsten wirken diese Pflanzen mit den kleinen Blüten doch
in freier Natur.