Wacholder ist das auf der Welt am weitesten verbreitete
Nadelgehölz. Ob er nun ein Strauch oder ein Baum
ist, lässt sich nicht immer zweifelsfrei sagen. Er kommt in
vielerlei Gestalt vor - säulenförmig, flachwüchsig oder
sogar kriechend. Die gelegentliche Bezeichnung "Zypresse des Nordens"
besagt schon, dass der Wacholder zu den Zypressengewächsen
zählt. Fast ausschließlich in Wäldern wachsen Exemplare
mit Baumform. Man erkennt sie daran, dass am unteren Stamm keine
Äste vorhanden sind.
Die verschiedenen Jahreszeiten beeindrucken den Wacholder
nicht. Er
verträgt Eiseskälte, braucht aber zugleich viel Licht. Daher
gedeiht er gut im Freiland. Außerordentlich oft findet man ihn in
der Heide. Die Besonderheiten bestehen beim Wacholder darin, dass es
nur männliche oder weibliche Pflanzen gibt und er keine verholzten
sondern Beerenzapfen hervorbringt. Diese werden erst im dritten Jahr
geerntet. Im ersten Herbst sind sie noch hart und auch noch grün,
ein Jahr später werden sie schwarzblau und fleischig, mit
wachsigem Überzug. Je nach Gegend und Witterung kann sich die
Reife bis in das folgende Jahr hinausziehen.
Wacholder eignet sich gut für die Stadt. Das Stadtklima und
die
verschmutzte Luft können ihm nichts anhaben. Er verträgt sich
gut mit Birken, Kiefern, Wildrosen und Ebereschen. Ginster,
Königskerze, Thymian, Nelken und Heidekraut können sowohl auf
Beeten von öffentlichen Anlagen als auch im eigenen Garten
wunderbare Nachbarn das Wacholderstrauches sein und mit ihm zusammen
gestalterische Akzente setzen.
Dichte Hecken aus Wacholder sind keine Seltenheit. Er
verträgt
aber auch das Schneiden sehr gut und so manche immergrüne Skulptur
kann in Vorgärten bewundert werden. Jedoch nehmen ältere
Sträucher das Verpflanzen übel.
Wacholder hat ein sehr langsames Wachstum. Einzelstücke in
Baumform schaffen gerade mal einen Meter in zehn Jahren. Er kann aber
bis zu 12 Metern groß werden. Dem Boden gegenüber ist er
anspruchslos. Sandigen Boden verträgt er gleichermaßen wie
lehmigen, wechselnd feuchten oder trockenen. Allerdings gedeiht er
besonders gut, wenn der Boden einigermaßen trocken, sandig und
leicht sauer ist. Kalkboden verträgt er auch.
Wacholder wird sehr alt. 500 Jahre sind keine Seltenheit, er
soll aber
ebenso 2000 Jahre überstehen können. Zahlreiche Insekten und
auch einige Pilze fühlen sich in der Nähe des Wacholders
wohl. Bienen nutzen ihn als Pollenspender. Vögel suchen in den
Zweigen Schutz und das Wild findet in der kalten Jahreszeit einen
Unterschlupf.
In Hausgärten sieht man den Wacholder oft als säulenartigen
Strauch. Seine Bedeutung erlangte er seit jeher, weil alle Teile eine
heilsame Wirkung haben, die bei vielen Beschwerden genutzt wird. In
alten Bräuchen, Märchen, Mythen und Sagen hat der Wacholder
einen festen Platz. Bekannt und beliebt sind die Wacholderbeeren als
Küchengewürz. Abgesehen von der Geschmacksverbesserung
fördern sie die Verdauung. Wacholderspäne verschaffen beim
Räuchern dem Fleisch, der Wurst oder dem Fisch eine einzigartige
Würze.
Gin, Genever und Steinhäger gehören zu den bekannten
Wacholderschnäpsen. Sie wirken appetitanregend.
Der wissenschaftliche Name des Wacholders ist juniperus
communis. Den
Namen Juniperus gab es schon bei den Römern. Im Volksmund
gibt es zahlreiche andere Namen. Einige davon sind: Feuerbaum,
Jachelbeerstrauch, Knirkbusch, Kranawetsbaum, Kranawitten, Wachandel,
Wachulder, Wachtelbeerstrauch, Weihrauchbaum, Krammetsbaum, Kranewitt,
Kranewitter, Machandelbaum, Räucherstrauch, Weckholder und Kaddig.
Der Wacholder ist auf der ganzen nördlichen Halbkugel
verbreitet,
in den Ebenen genauso wie im Hochgebirge. Nun seien noch einige Sorten
für den Hobbygärtner genant: Gelber Wacholder –
juniperus media „Old Gold“ mit breitem Wuchs,
Teppichwacholder – juniperus communis „Hornibrookii“,
der dicht und mattenförmig wächst, Blauzeder –
Wacholder „ Meyeri“ – juniperus squamata
„Meyeri“, ein großer aufrechter Strauch, Blauer
Zwergwacholder – juniperus squamata „ Blue Star“ mit
rundem dichtem Wuchs.