Zu welchem Zweck braucht man eine Windmühle im
Garten? Man
könnte auch fragen, wozu ein kleiner Teich mit Goldfischen gut
sein könnte. Wozu Bäume und Gras? Wozu Gemüsebeete?
Alles ist doch nur mit Arbeit verbunden. Aber mit dieser Einstellung
entwickelt man sich doch zum Pessimisten. Klar, wenn man richtig
darüber nachdenkt ist eigentlich alles Kitsch. Man stelle sich im
Gegenzug eine Betonfläche vor, da muss kein Rasen gemäht
werden und es gibt so ganz nebenbei keinen Ärger mit
Maulwürfen und Wühlmäusen.
Ein andersdenkender Mensch, der auch die Mundwinkel nach oben
ziehen
kann, braucht diesen Kitsch. Wiese, Bäume, Sträucher, einen
kleinen Teich und Gartenzwerge. Und immer wieder entsteht der Eindruck,
dass etwas fehlt. Aber an was fehlt es? Richtig! Es fehlt an Bewegung!
Die Gartenzwerge rühren sich nicht von der Stelle, der eine zeigt
einem auch noch ununterbrochen einen Vogel. Vom Nachbar geschenkt
bekommen; wer weiß, was er sich dabei gedacht hat. Vogel? Alle
Vogelhäuser sind besetzt. Es gibt schon etwas Bewegung und
Gezwitscher, aber - nun kommt der entscheidende Einfall: Eine
Windmühle muss her! Jawohl! Und zwar dringend! Die Frau ist gerade
nicht da. Sie kann also keine ungeeigneten Fragen stellen.
Die Mini-Kreissäge wird angeschmissen und es entsteht ganz
auf die
Schnelle ein Häuschen, welches einem Hexenhaus ähnelt. Etwas
windschief zwar, aber hochinteressant anzusehen. Es soll ja auch eine
alte Windmühle sein, obwohl sie neu entsteht. Es gibt zwei Fenster
und einen Eingang. Und das Wichtigste? Es gibt auch zwei kreisrunde
Löcher in den Giebeln! Darin werden nämlich zwei Kugellager
festgemacht. Wie werden sie festgemacht? Mit kleinen Holzkeilen
natürlich, womit sonst!
Fällt doch nicht weiter auf, dass die kreisrunden Löcher gar
nicht richtig kreisrund sind, Leute. Das wird doch noch alles
zugekittet! Was soll das Gemecker - die Kugellager sind dazu gedacht,
die Mühlenwelle, die aus einem alten Spatenstiel besteht und fast
passt, ordnungsgemäß zu lagern. Hier helfen auch kleine
Holzkeile, um etwaige Ungenauigkeiten auszugleichen. Kein Problem also.
Nun kommt es zum Höhepunkt: Es muss eine Präzisionsnabe
angefertigt werden, die auf den Spatenstiel ganz genau passt. Falls sie
doch nicht so richtig passt: Holzkeile, was sonst. Dann passt’s.
An dieser Nabe wird das Mühlenkreuz befestigt, welches später
die Flügelblätter halten muss, was eigentlich der fast letzte
Arbeitsgang ist.
Der Begriff „Mühlenkreuz“ entspringt übrigens der
Zeit der heutigen Ingenieurkunst. Nun wird ein Holzpflock an geeigneter
Stelle im Garten in den Boden gerammt, die Windmühle darauf fest
gemacht und auf Wind gewartet. Bewegt sich nichts, geht vermutlich kein
Wind. Gut, dann wird eben der Gartenzwerg, der einem ständig einen
Vogel zeigt, in den Eingang der Windmühle hineingestellt und
abgewartet, was die Ehefrau zu dem neuen Bauwerk sagt, wenn sie vom
Einkauf zurückkommt.
Diese „Bauanleitung“ ist dazu gedacht, die eigene
Denkmuskulatur zum Windmühlenbau etwas zu aktivieren. Phantasie
ist alles!