Ein Apfelbäumchen pflanzen ist nicht schwer, es zu
schneiden dagegen sehr. Beim Obstbaumschnitt gilt dasselbe wie beim
Haarschnitt: Was einmal ab ist, kann nicht mehr angefügt
werden. Tröstlich ist aber, dass es wohl noch keinem noch so
untalentierten Hobbygärtner gelungen ist, einen Obstbaum durch
eine Radikalkur zu Brennholz verunstaltet zu haben.
Im Gegenteil: Oftmals wirkt ein radikaler Schnitt wie ein Facelifting
beim Schönheitschirurgen, und der Apfelbaum treibt besser aus
und sieht schöner aus denn je. Schnittarbeiten an
Gehölzen werden am besten in der Winterzeit
durchgeführt. In dieser Zeit durchgeführte Schnitte
nimmt der Baum nicht so krumm, d. h. die Gefahr, dass
Schädlinge in die Schnittwunden eindringen, ist gering.
Zunächst einmal werden an ganz jungen Bäumen
über einer Stammhöhe von 40 cm die unteren der
einjährigen Triebe weggeschnitten, so dass insgesamt eine
Stammhöhe von mindestens 80 cm erreicht wird. Dieses hat den
Vorteil, dass unter dem Baum später besser gearbeitet werden
kann. Jeder, der einmal versucht hat, unter den 60 cm tiefen
Ästen eines Baumes den Rasen zu mähen (und das jede
Woche!) weiß ein Lied davon zu singen. Über dem
Stamm bleiben drei bis vier einjährige Triebe stehen, die
jedoch auf 2 bis 3 Knospen eingekürzt werden sollten.
Ältere Bäume neigen dazu, dichte Kronen zu bilden,
die weder Licht noch Luft in das Innere lassen und dadurch Krankheiten
fördern. Es versteht sich von selbst, dass kranke oder
beschädigte Triebe sofort zu entfernen sind. Auch bei zu eng
stehenden Ästen sollte man diejenigen entfernen, die senkrecht
wachsen, da an waagerechten Ästen mehr Früchte
heranwachsen und diese auch besser ausreifen können.
Grundsätzlich sollte man beim Obstbaumschnitt seine Intuition
und Augenmaß walten lassen, aber auch nicht zu zimperlich
vorgehen. Oftmals - wie auch sonst im Leben - sieht man aus einer
gewissen Distanz heraus am besten, welche Äste zu dicht stehen
und noch entfernt werden sollten. Hilfreich ist es natürlich
auch, wenn eine zweite Person diese Aufgabe übernimmt und aus
der Ferne Anweisungen geben kann. So behält man besser den
Überblick. Größere, offene Schnittstellen
sollten mit einem Wundbalsam behandelt werden, um das Eindringen von
Keimen und Schädlingen zu verhindern. Auch sollten dickere
Äste in jedem Fall dicht am Stamm abgeschnitten werden, damit
die Resthölzer Pilzen keine Angriffsfläche bieten
können.