Wenn der Garten erst einmal zum Erholungsparadies geworden ist, wünschen sich viele Hobby-Gärtner auch kleine essbare Erträge. Verschiedene Beerensträucher, Säulenobst oder Weintrauben sind schnell gepflanzt und in der Regel auch leicht zu pflegen. Früher oder später kommt dann die Erntezeit. In den ersten Jahren meist noch überschaubar, doch irgendwann kommt der Punkt an dem der Obstertrag für den Eigenverzehr einfach zu viel zu groß geworden ist.
Was also tun? Einfrieren macht das Obst nach dem auftauen meist sehr unansehnlich. Einkochen kostet viel Zeit und nach dem zehnten Glas der eigenen Marmelade nimmt die Begeisterung oft ab. Aus dem Obstertrag Saft oder Wein herzustellen ist eine weitere gute Möglichkeit der Verwendung.
Um größere Mengen Kernobst und Weintrauben zu entsaften wird bis heute das alte klassische Kelterverfahren mit Mühle und Presse verwendet. So genannte Obstmühlen sind für den Hobbybereich schon lange und in großer Auswahl im Handel erhältlich.
Die Mühle stellt aus den Früchten die Maische her. Aus der Maische wird dann mit Hilfe einer Presse der Saft gewonnen. Hierbei gibt es verschiedene Verfahren, die nachfolgend kurz vorgestellt werden:
Obstmühle
Die Beeren- und Steinobstmühle besteht aus zwei gegeneinander laufenden Walzen. Sie sind aus Holz, Kunststoff, Metall, Stein und verfügen über ein Profil. Die Walzen sind verstellbar um sie der jeweiligen Fruchtgröße anzupassen. Das Obst wird zwischen den Walzen nur ausgequetscht, dabei entsteht die so genannte Maische.
Korbpressen
Für Hobby-Kelterei werden meistens mechanische Korbspindelpressen verwendet. Der Presskorb wird mit einem Leinentuch ausgelegt, dann wird die Maische in den Korb gefüllt. Durch Druck wird der Saft auf der Maische gepresst.
Spindelpresse
In einer Spindelpresse wird unter Zuhilfenahme einer Mechanik nach dem Gesetz der Hebelkraft ein großer Druck erzeugt. Eine Platte drückt die Maische fest zusammen und lässt den Saft auslaufen.
Packpressen
Die Maische wird in etwa 5 cm dünnen Schichten in Presstücher eingepackt und in mehreren Lagen, mit dazwischenlegenden Rosten, gestapelt und dann zusammengedrückt. Die Roste dienen bei dem Pressvorgang als Ablaufrinnen für den Saft.
Es gibt mittlerweile auch schon kleine elektrisch angetriebene Kleinpackpressen. Die anstrengende Pressarbeit wird durch den Motor erledigt, der eine Hydraulik in Gang setzt.
Hydropressen
Hydropressen sind Gummibalgpressen die mit Wasserdruck arbeiten. Die Maische wird in einen Zylinder aus Edelstahl gefüllt. Die Wände des Zylinders haben unzählige kleine Löcher. Im Inneren ist ein Gummisack angebracht, dieser wird mit Wasser gefüllt. Der Sack dehnt sich aus und drückt die Maische an die Wände des Zylinders. Der Saft läuft durch die kleinen Löcher ab.
Für Weiterverwendung des gewonnenen Saftes gibt es umfangreiche Literatur im Handel oder im Internet. Egal ob klarer oder naturtrüber Fruchtsaft, Most, Federweißer, Weißwein oder Rotwein, die Auswahl von schmackhaften Rezepten ist riesig.
Während des Pressens und der Weiterverarbeitung werden Säfte durch die Berührung mit der Luft bräunlich. Das sieht nicht nur unschön aus, es führt auch zu Vitaminverlusten. Durch die Zugabe von 0,2 bis 0,4 g Ascorbinsäure pro Liter Maische gleich nach dem Mahlen wird verhindert das der Saft oxidiert und er behält seine eigentliche Farbe.
Der Pressrückstand wird Trester genannt und eignet sich hervorragend zum Kompostieren. Beim einfüllen in den Komposter muss lediglich etwas Kalk hinzu gegeben werden und schon bald entsteht ein wertvoller organischer Gartendünger.
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