Die Himbeere (Rubus idaeus) gehört wie die Brombeere zu den
Rosengewächsen. Sie wächst in Europa wild in lichten Wäldern.
Ihre stacheligen Ruten können bis 2 Meter lang werden. Die
roten aromatischen Früchte erscheinen ab Juni. Aus dieser
Urform haben die Gärtner viele Varianten gezüchtet. Durch
Einkreuzung verwandter Beerenfrüchte entstanden weiße, gelbe
und dunkle Himbeersorten. Neben den verschiedenen Farben
haben diese Zuchtvarianten häufig besondere Eigenschaften des
anderen Elternteils mitgebracht, wie größere Früchte,
schnellere Reife oder weniger bestachelte, längere Triebe.
Wer eine besonders aromatische und ertragreiche Sorte findet,
möchte sie gerne vermehren. Grundsätzlich ist die gezielte
Vermehrung geschützter Züchtersorten mit Sortenschutz
verboten, und zwar auch für den Eigenbedarf. Was theoretisch
klar geregelt ist, macht in der Praxis den Gartenbesitzern
Schwierigkeiten. Wenn beispielsweise ein Garten gekauft wird,
in dem bereits ein Himbeerbestand wächst, weiß niemand mehr,
um welche Sorte es sich handelt. Auch getauschte und
geschenkte Himbeerstöcke aus alten Beständen sind meist nicht
mehr als spezielle Sorte erkennbar. Man sollte sich des
Problems jedoch bei der Vermehrung bewusst sein. Himbeeren
lassen sich auf mehrere Arten vermehren, durch
Wurzelausläufer, Absenker oder durch Aussaat.
Himbeeren durch Wurzelausläufer vermehren
Wilde Himbeeren vermehren sich ganz ungeniert, indem sie ihre
Wurzelausläufer in alle Richtungen schicken. In der Wildnis
ist das für den Himbeerstock lebensnotwendig, da er nur so an
frische, unverbrauchte Erde kommt. Im Garten ist das eher
lästig. Alte Sorten, die diese Eigenschaft noch zeigen,
lassen sich also leicht vermehren, indem man die
Wurzelausläufer absticht, sobald sich oberirdisch Blätter
gebildet haben. Diese neuen Ruten setzt man an einen frischen
Platz und baut auch gleich ein Spalier oder Rankgitter dazu,
damit man die Ruten auch befestigen kann.
Moderne Züchtungen
mit großen Früchten haben diese Eigenschaft weitgehend
verloren. Hier kann man Wurzelschnittlinge machen. Im
Spätherbst (Oktober bis Anfang Dezember), wenn die Pflanzen
in Winterruhe gegangen sind, wird von jeder Pflanze eine
Wurzel mit Knospe abgetrennt. Der Wurzelstrang mit Knospe
sollte etwa 10 cm lang sein. Die Stücke werden in kleine
Töpfe mit sandiger Erde gelegt und kühl und feucht gestellt.
Bis zum Frühling schlägt ein Teil davon aus und bildet neue
Pflanzen.
Absenker von Himbeeren als Vermehrungsmethode
Schwieriger ist die Neubildung von Himbeerpflanzen durch
Absenker. Brombeeren bilden an überhängenden Triebspitzen
sofort Wurzeln, wenn diese am Boden aufliegen. Die heimischen
Himbeeren zeigen diese Eigenschaft nicht. Trotzdem ist diese
Methode ganzjährig möglich, besonders bei den Hybriden, die
dunkle Früchte und lange Ranken haben. Dafür wird ein
Himbeertrieb flach auf der Erde mit Haken befestigt und an
mehreren Stellen mit Erde bedeckt. Sollte das nicht zum
Erfolg führen, kann man den Himbeertrieb herunterbiegen und
die Spitze mit einem Kupferdraht zweimal umwickeln. Dadurch
staut sich der Saft und die Wurzelbildung wird angeregt.
Aussaat von Himbeeren
Wer neue Sorten züchten möchte, darf als Elternteile sogar
Himbeersorten mit Sortenschutz nehmen. Nach der künstlichen
Befruchtung wird die Himbeerblüte mit einer Gazehaube
bedeckt, damit keine Fremdbestäubung mehr möglich ist. Wenn
die Frucht reif ist, wird sie in einem feinen Teesieb
zerdrückt und die Samen ausgewaschen. Die sauberen Samen
werden in sandige Erde eingetopft und kühl gestellt. Sie
brauchen längere Zeit zum Keimen und dürfen nicht
austrocknen. Die Eigenschaften der neuen Pflanzen sind jedoch
ungewiss und schlagen zu einem Großteil auf ihre genetischen
Vorfahren zurück.