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Kräuterpflanzen

Wermut richtig anbauen

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Wermut richtig anbauen

Wermut (Artemisia absinthium), auch Wermutkraut, Magenkraut oder Echt-Wermut genannt, ist ein Bitterkraut, dessen gesundheitsfördernde Wirkung bereits in der Antike bekannt war. Als Heilpflanze wurde er unter anderem zur Verdauungsförderung und gegen Magenprobleme, aber auch gegen Gelbsucht, Menstruations- und Kopfschmerzen eingesetzt. Im Mittelalter beschrieb Hildegard von Bingen den Einsatz von Wermut als Heilpflanze und wies dabei vor allem auf die äußeren Anwendungen hin. Mittelalterliche Mönche dagegen verwendeten es gern zur Würzung fettiger, schwer verdaulicher Speisen. Und auch heute noch wird Wermut aufgrund seiner Bitterstoffe als Naturheilmittel gegen verschiedene Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden, Blähungen, Sodbrennen, Leber- und Nierenbeschwerden und viele andere eingesetzt, wobei es hauptsächlich als Tee oder als alkoholische Tinktur verwendet wird. Als Gewürz findet das Kraut zudem in der Küche Anwendung, insbesondere zum Würzen deftiger und fettreicher Gerichte wie Gans, Wild oder Eisbein. Zudem ist er Bestandteil von Absinth, worauf auch sein lateinischer Name hinweist. Und auch für Gartenfreunde ist Wermut interessant, denn eine daraus hergestellte Jauche oder Brühe vertreibt lästige Insekten wie Ameisen, Blattläuse und Raupen.

Wermut selbst anbauen

Wermut selbst anbauen


Wer die Heilwirkung des Wermut ausprobieren oder einfach nur seinen attraktiven Anblick genießen möchte, kann ihn im eigenen Garten ganz einfach selbst anbauen. Die zu den Korbblütlern gehörende, mehrjährige, krautig wachsende Pflanze hat ihre Heimat in den trockneren Gebieten Europas, Nordasiens sowie Nordafrikas, ist eng verwandt mit anderen Kräutern wie dem Beifuß und der Eberraute und bleibt auch im Winter grün. Das Anpflanzen von Wermut ist nicht schwer und wenn man bei der Standortwahl einige Tipps beherzigt, kann man mit einer guten Ernte rechnen.

Der richtige Standort

Der richtige Standort
Wermut gedeiht sowohl im Beet als auch als Einzelpflanze im Topf. Wird er im Topf kultiviert, ist ein sonniger, regengeschützter Platz ideal, denn das beugt Mehltaubefall vor. Zudem sollte die eigentlich winterharte Pflanze in diesem Fall frostgeschützt im Haus überwintern, da sonst die Gefahr besteht, dass die Erde gefriert und es zu Wurzelschäden kommt. Als Substrat für Topfpflanzen eignet sich eine nährstoffarme, durchlässige Kräutererde. Im Freiland bevorzugt Wermut einen trockenen, sonnigen Standort mit lehmig-sandigen, durchlässigen und kalkhaltigen Boden. Ein nährstoffarmer Platz im Steingarten mit südlicher Ausrichtung ist ideal. Wermut ist ein Einzelgänger und wächst gern in einigem Abstand zu anderen Pflanzen. 45 cm sollte dieser mindestens betragen, da er andernfalls das Wachstum seiner Nachbarn beeinträchtigen kann.

Wermut aussäen

Wermut aussäen
Artemisia absinthium ist als vorgezogenes Pflänzchen in vielen Gartenmärkten erhältlich, kann aber auch ganz einfach selbst ausgesät werden. Dabei muss man beachten, dass es sich bei dieser Pflanze um einen Lichtkeimer handelt, weswegen die Samen nicht mit Erde bedeckt werden dürfen. Die Aussaat kann ab April direkt ins Freiland erfolgen, man kann ihn aber auch bereits ab März in Schalen vorziehen. Nach zwei bis drei Wochen erfolgt die Keimung. Haben die Keimlinge eine Höhe von 5 cm erreicht, können sie pikiert werden, wobei wie erwähnt ein Abstand von 45 cm eingehalten werden sollte.

Wermut auspflanzen

Gekaufte Jungpflanzen aus dem Fachhandel eignen sich sowohl für den Anbau im Topf als auch im Freiland. Sie können ab Mitte Mai ins Beet gesetzt werden. Einen früheren Termin sollte man hier nicht wählen, da die kleinen Pflänzchen meistens nicht abgehärtet sind und durch Spätfröste massiven Schaden erleiden könnten. Zum Auspflanzen gräbt man ein Loch, das mindestens doppelt so groß ist wie der Wurzelballen der Wermutpflanze. In dieses wird eine Drainage aus groben Steinen eingelegt und mit einer Mischung aus zwei Teilen Sand und einem Teil Gartenerde bedeckt, um der Pflanze, die einen durchlässigen, nährstoffarmen Boden bevorzugt, ideale Bedingungen zu schaffen. Nach dem Einsetzen des Setzlings wird das Pflanzloch mit dem Sand-Erde-Gemisch aufgefüllt und leicht angegossen. Bis die Pflanze im Boden verwurzelt ist, sollte der Boden immer mäßig feucht gehalten werden.

Die richtige Pflege

Bei Wermut handelt es sich um eine relativ anspruchslose Pflanze, die nur wenig Pflegeaufwand benötigt. Gießen ist nur selten notwendig. Nach einer mehrwöchigen Regenpause ist es jedoch empfehlenswert, den Standort einmal durchdringend zu gießen. Wird die Pflanze im Topf kultiviert, sollte sie häufiger gegossen werden, denn eine Austrocknung des Substrats ist zwar kein Todesurteil, kann aber langfristig zur Verkümmerung des Wermuts führen. Staunässe sollte jedoch ebenfalls unbedingt vermieden werden. Alle ein bis zwei Wochen eine durchdringende Wassergabe ist ideal, allerdings sollte überschüssiges Wasser gut ablaufen können und weggeschüttet werden. In Bezug auf Nährstoffgaben ist der Wermut äußerst genügsam. Bei einer nährstoffreichen Umgebung, beispielsweise im Staudenbeet, ist Düngen überhaupt nicht nötig. Ist der Boden sehr karg, werden einmal jährlich, am besten im Frühjahr, maximal fünf Liter Komposterde untergearbeitet.

Wermut überwintern

Wermut im Freiland ist winterhart, in Töpfen muss er allerdings in einem frostfreien Winterquartier wie beispielsweise einem hellen Keller oder einem frostfreien Gewächshaus überwintern. Hier kann man ihn weitgehend in Ruhe lassen, sollte aber darauf achten, dass er nicht austrocknet. Im Beet kann die wintergrüne Pflanze Temperaturen bis -25 °C gut vertragen. Mit einer Laub- oder Mulchschicht, die kurz vor dem ersten Frost aufgetragen wird, ist man auf der sicheren Seite.

Artemisia absinthium schneiden

Ein regelmäßiger Rückschnitt der Wermutpflanze ist empfehlenswert, um die Erneuerung der Triebe sowie die Verjüngung und Verzweigung des Krautes zu fördern, denn Wermut neigt zum Verholzen und wird dadurch anfälliger für Frostschäden. Außerdem lässt sich durch den Rückschnitt ein ungehemmtes Wachstum eindämmen. Der erste Rückschnitt sollte im Juni erfolgen, wenn der Wermut kurz vor der Blüte steht, es sei denn, man möchte die Samen zur Vermehrung sammeln, in diesem Fall wartet man bis zu deren Ausreifung. Einen zweiten Schnitt erhält die Pflanze im Herbst, bevor sie in die Winterruhe geht. Beim Schnitt werden die Triebe auf ca. 10 cm eingekürzt, wobei kürzere Triebe nicht beschnitten werden. Verholzte Teile werden vollständig entfernt.

Die Ernte

Wenn die Pflanze genügend Blätter ausgebildet hat, was zumeist erst im zweiten Jahr der Fall ist, kann man mit der Ernte beginnen. Dafür kann man den ersten Rückschnitt im Sommer nutzen. In jedem Fall sollte die Ernte aber nicht mehr nach der Blüte erfolgen, da dann der Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen deutlich geringer ist. Während der Blütezeit zwischen Juni und September ist ideal, denn hier enthält der Wermut die meisten gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe. Die Ernte selbst ist denkbar einfach. Man schneidet dazu einfach mit einer Gartenschere Blätter und Blüten am Stiel ab und breitet sie anschließend zum Trocknen aus.

Krankheiten und Schädlinge

Wermut ist eine sehr robuste Pflanze, die selten von Krankheiten und Schädlingen befallen wird. Saugende Insekten wie Blattläuse sind in der Regel kein Problem, da sie durch die Bitterstoffe im Pflanzensaft abgeschreckt werden. In feuchten Jahren kann es vorkommen, dass die Pflanze von Mehltau befallen wird. Diesen kann man bekämpfen, indem man die befallenen Teile abschneidet und im Müll entsorgt. Sollte sich der Befall wiederholen, hilft es, die Pflanze an eine regengeschützte Stelle wie unter einem Dachvorsprung umzupflanzen.

Expertentipp

Artemisia absinthium kann man übrigens sehr gut haltbar machen und lange lagern. Dazu werden die geernteten Stängel und Blüten lose zusammengebunden und im Freien witterungsgeschützt zum Trocknen aufgehängt. Alternativ kann man die Blüten und Blätter auch abstreifen und auf einem Blech oder einer Zeitung zum Trocknen auslegen. Dabei sollte man darauf achten, direkte Sonneneinstrahlung zu vermeiden, denn so werden die gesunden Inhaltsstoffe am besten konserviert. Das getrocknete Kraut wird dann in luftdicht schließenden Gläsern aufbewahrt und kann als Tee oder als Gewürz verwendet werden.

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Bildquellen:

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