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Dünger

Eierschalen erfolgreich als Dünger benutzen

Lars Reibemann

Veröffentlicht

auf

Wie gesund Eier in der richtigen Menge für uns Menschen sind, ist allgemein bekannt. Doch auch unseren grünen Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern tun sie gut. Und das Beste: Sie brauchen nichts direkt von ihrem Eier-Deputat abzugeben, denn ihre Pflanzen bevorzugen nur die Schalen. Teilen Sie also einfach Ihre Eier mit Ihren Pflanzen. Auf diese Weise bekommen Sie zusätzlich zu Ihrem morgendlichen Frühstücksei einen kostenlosen und völlig natürlichen Dünger zum Wohl Ihrer Pflanzen.

Inhaltsstoffe der Eierschale

Die Schale eines Eies besteht 90 bis 95% aus Kalziumkarbonat (CaCO3). Diese chemische Verbindung ist auch als kohlensaurer Kalk bekannt. Lassen Sie sich von diesem Namen jedoch nicht in die Irre führen. Kalziumkarbonat lässt Ihren Boden nicht versauern, sondern hebt dessen pH-Wert sogar eher an bzw. stabilisiert ihn. Bis sich jene Wirkung entfaltet vergeht jedoch einige Zeit. Und je tonreicher ein Boden ist, desto geringer ist auch die Wirkung eines Einsatzes von CaCO3. Solche Böden sind einfach chemisch zu stabil als das jene relativ langsame Reaktion irgendeinen nennenswerten Einfluss haben könnte. Allgemein ist diese Methode der Düngung bei schwereren Böden nicht zu empfehlen.

Mit Kalziumkarbonat gegen saure Böden

Weil die allseits bekannte Photosynthese lichtabhängig ist, kann sie nachts nicht stattfinden. Daher tun Pflanzen nachts das gleiche, was wir rund um die Uhr tun, sie atmen. Und genau wie wir geben sie dabei Kohlenstoffdioxid (CO2) ab. Jenes CO2 reagiert dann mit dem Wasser im Boden zu Kohlensäure. Hierbei handelt es sich um denselben chemischen Vorgang, welcher stattfindet, wenn Sie zwecks Herstellung von Mineralwasser in Ihrer Sodamaschine Kohlenstoffdioxid in herkömmliches Leitungswasser einleiten.

Die Kohlensäure lässt nun den Boden saurer werden, indem sie dessen pH-Wert senkt. Aber was genau ist eigentlich der pH-Wert. Weil die exakte Definition sehr komplex ist, sollten wir es in diesem Zusammenhang bei einer einfacheren Variante belassen: Der pH-Wert gibt Aufschluss über die Konzentration von positiv geladenen Wasserstoff-Teilchen (sogenannte Protonen) innerhalb eines bestimmten Mediums. Je höher diese Konzentration ist, desto niedriger wird der jeweilige pH-Wert. Säuren (wie beispielsweise Kohlensäure) lassen den pH-Wert sinken, indem derartige Stoffe sehr stark dazu zeigen ihre positiven Wasserstoffteilchen in die Umgebung abzugeben.

Kalziumkarbonat wirkt dem entgegen, da es jene Protonen aufgreift und seinerseits eine Reaktion mit ihnen eingeht. Dies gilt nicht nur für Kohlensäure, sondern ganz generell. Und je saurer ein Medium ist, desto besser löst sich Kalziumkarbonat auf. Daher ist CaCO3 sehr oft das geeignete Mittel gegen eine Versauerung des Bodens.

Jedoch sollten Sie vor einer solchen Anhebung des pH-Werts erst mal testen, ob dies in Bezug auf ihren Boden nicht vollkommen überflüssig oder vielleicht sogar kontraproduktiv ist. Denn ein zu hoher pH-Wert schadet ihren Pflanzen ebenso wie ein zu niedriger.

Kalzium – Unverzichtbar für jede Pflanze

Da bei der Reaktion von Kalziumkarbonat mit Kohlensäure auch positiv geladene Kalzium-Teilchen frei werden, lohnt es sich auch deren Bedeutung für unsere Böden einmal näher zu betrachten. Für Pflanzen ist Kalzium absolut essenziell. Hiermit stabilisieren sie ihre Zellwände. Zudem spielt es eine entscheidende Rolle im Stoffwechsel der Pflanzen. Überdies senkt Kalzium die Empfindlichkeit gegenüber Schädlingen und Krankheiten.

Aber auch die Qualität Ihres Bodens wird durch Kalzium deutlich erhöht. Es sorgt für die Verkittung der Teilchen des Bodens und verbindet Tonmineralien mit Humusmolekülen. Auf diese Weise wird die Bodenstruktur verbessert und der Pflanze stehen stabile Krümel zur Verfügung, was ihr Wachstum auf unterschiedlichste Weise fördert.

Insbesondere auf sehr torfhaltige Erden kann es häufig zu Problemen mit Kalziummangel kommen, da diese von Natur aus sehr wenig Kalzium enthalten. Derartige Schwierigkeiten können vor allem bei Topfkulturen auftreten, da das Volumen hierbei sehr begrenzt ist und auch keinerlei Verbindungen zu anderen Kalziumquellen bestehen.

Besonders kalkliebende Pflanzen

Im Folgenden sollen einige Gehölze, Gemüse-Sorten und Stauden aufgeführt werden, welche eine besondere Vorliebe für Kalk haben. Allerdings erhebt diese Liste keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Überlegen Sie sich deshalb immer selbst, ob das was sie anbauen wollen besonders kalkliebend ist und natürlich auch welche Beschaffenheit der Boden zeigt, auf dem das Ganze gedeihen soll.

    Gehölze

  • Berberitzen (lateinischer Name: Berberis)
  • Brombeeren und Himbeeren (lateinischer Namen: Rubus fruticosus / Rubus idaeus)
  • Buchsbaum (lateinischer Name: Buxus sempervirens)
  • Gewöhnliche Felsenbirne (lateinischer Name: Amelanchier ovalis)
  • Johannisbeeren (lateinischer Name: Ribes)
  • Holunder (lateinischer Name: Sambucus)
  • Pfingstrosen (lateinischer Name: Paeonia i. S.)
  • Rosen (lateinischer Name: Rosa)
  • Schmetterlingsflieder (lateinischer Name: Buddleja davidii)
  • Spiraen (lateinischer Name: Spiraea)
  • Gemüse-Sorten

  • Knoblauch (lateinischer Name: Allium sativum)
  • Kohlsorten (alle) (lateinischer Name: Brassica)
  • Möhren (lateinischer Name: Daucus carota subsp. sativus)
  • Porree (lateinischer Name: Allium porrum var. Porrum)
  • Rhabarber (lateinischer Name: Rheum x hybridum)
  • Rüben (lateinischer Name: Beta vulgaris)
  • Sellerie (lateinischer Name: Apium graveolens)
  • Spargel (lateinischer Name: Asparagus officinalis)
  • Tomaten (lateinischer Name: Solanom lycopersicum)
  • Zichoriensalat (lateinischer Name: Cichorium)
  • Stauden

  • Akelei (lateinischer Name: Aquilegia)
  • Alpenveilchen (lateinischer Name: Cyclamen)
  • Astern (lateinischer Name: Aster)
  • Blauschwingel (lateinischer Name: Festuca cinerea)
  • Gewöhnliche Haselwurz (lateinischer Name: Asarum europaeum)
  • Herbst-Zeitlose (lateinischer Name: Colchicum autumnale)
  • Kleine Traubenhyazinthe (lateinischer Name: Muscari botryoides)
  • Kleines Schneeglöckchen (lateinischer Name: Galanthus nivalis)
  • Kriechender Günsel (lateinischer Name: Ajuga reptans)
  • Steppen-Salbei (lateinischer Name: Salvia nemorosa)
  • Anwendung bei der Bewässerung

    1. Schritt – Sammeln

    Für die Herstellung eines entsprechenden Düngers gilt es zunächst Eierschalen zu sammeln. Wie viel Zeit das in Anspruch nimmt hängt natürlich voll und ganz von Ihrem individuellen Eierkonsum und dem Bedarf an kalkhaltigem Dünger für Ihren Garten ab. Als Sammelbehälter empfiehlt sich dabei ein verschließbares Gefäß. So lassen sich unangenehme Gerüche vermeiden. Auch sollten Sie gerade bei wenig Erfahrung mit dieser Methode die ungefähre Anzahl der Eier im Kopf behalten, deren Schalen Sie gesammelt haben.

    2. Schritt – Zerkleinern

    Als nächstes müssen die Eierschalen zerkleinert werden. Um Platz immer Sammelbehälter zu sparen empfiehlt es sich, dies bereits während der Ausführung von Schritt 1 zu tun.
    Legen Sie die Eierschalen auf ein großes Küchenbrett und breiten Sie ein geeignetes Tuch darüber aus. Zermahlen Sie das Ganze anschließend mit einem harten, stumpfen Gegenstand, wie einem Fleischklopfer oder ähnlichem. Alternativ können Sie die Eierschalen auch in einem Mörser zerkleinern.

    3. Schritt – Sud herstellen

    Im Anschluss werden die zerkleinerten Eierschalen in das Wasser gegeben, welches Sie zum Gießen Ihrer Pflanzen verwenden. Als Richtwert gilt hierbei: ein Liter Wasser für die Schale von zwei bis drei Eiern. Bei der Einhaltung dieser Faustregel kommt es Ihnen nun zugute, wenn Sie sich wie zu Anfang empfohlen die Anzahl der verwendeten Eier gemerkt haben. Der angesetzte Sud wird nun über mehrere Tage stehen gelassen.

    4. Schritt – Gießen

    Hierbei sollten Sie bedenken, dass sich Eierschalen nicht komplett auflösen. Deshalb sollten nur die Erde und nicht von oben aus die Pflanzen gegossen werden. Zurückbleibende gröbere Eierschalenstücke können auch wieder entfernt werden. Es empfiehlt sich hierbei Handschuhe zu tragen, damit die Lösung mit dem hohen pH-Wert keinerlei Schaden an Ihrer Haut anrichten kann.

    Vermeiden Sie es außerdem jenen Sud aus Eierschalen in Verbindung mit Düngemitteln auf Phosphat- oder Ammonium-Basis auszubringen. Stattdessen sollten Sie zwischen beidem eine Pause von mindestens drei Monaten einlegen. Kalzium und Phosphat werden gemeinsam zu Kalziumphosphaten, welche sehr schwer löslich sind. Dadurch wären beide Nährstoffe für Ihre Pflanzen nicht mehr zu erreichen. Ammonium wird in Verbindung mit Kalzium zu übel riechendem Ammoniak.

    Anwendung mittels Entsorgung auf dem Kompost

    Viele Gärtnerinnen und Gärtner werfen ihre Eierschalen einfach auf den Kompost. Dies stellt ebenfalls eine Möglichkeit dar, sie als Dünger zu verwenden. Obgleich es auch hierbei von Vorteil ist die Eierschalen vorher zu zerkleinern. Indem der pH-Wert angehoben wird, erhöht sich auch die Aktivität der den Biomüll zu Kompost verarbeitenden Bakterien. So lässt sich die Kompostierung beschleunigen. Zu bedenken ist hierbei allerdings, dass eine zu starke Beschleunigung das Volumen des Komposts senkt. Deshalb empfiehlt es sich Eierschalen
    immer in Verbindung mit sauer wirkendem Pflanzenmaterial auf dem Kompost zu entsorgen. Hierzu eignen sich Moorbeetpflanzen, Nadelholz, Eichenlaub Rhododendron-Schnitt und Torferden.

    Fazit

    Im Großen und Ganzen lässt sich sagen, dass Eierschalen als Dünger richtig angewandt ein sehr gutes Mittel zur Verbesserung des Pflanzenwachstums im heimischen Garten darstellen. Diese Art Dünger ist kostenlos und komplett natürlich. Zudem lässt sie sich sehr einfach herstellen, egal ob man die Methode mittel Bewässerung oder Kompost bevorzugt. Wer in seinem Garten mit Kalzium-Mangel und zu niedrigen pH-Werten zu kämpfen, sollte diese Möglichkeit daher definitiv in Betracht ziehen.

    Nichtsdestotrotz gibt es hierbei einiges zu bedenken. Als erstes wäre dort der pH-Wert, welchen man auf jeden Fall vorher überprüfen sollte. Denn schließlich muss festgestellt werden, ob eine Düngung mit Kalziumkarbonat nicht unnötig oder vielleicht sogar schädlich wäre. Auch sollte man die sonstige Beschaffenheit des Bodens bedacht werden. Bei leichten Böden bzw. leichten Böden in Verbindung mit Torf können Eierschalen als Dünger eine kraftvolle Wirkung entfalten. Im Bezug auf schwere Böden bleiben sie jedoch wirkungslos. Ebenso kommt es auf die Art der Pflanzen an, welche man anzubauen gedenkt. Sind diese besonders kalkliebend?

    Allgemein lässt sich sagen, dass Eierschalen und damit Kalzium als alleiniger Dünger niemals ausreichen, um alle Bedürfnisse einer Pflanze zu befriedigen. Sowohl Pflanzen, als auch Böden haben neben Kalzium-Gehalt und pH-Wert noch sehr viele weitere Ansprüche, welches es zu befriedigen gilt, wenn man Sie den Erfolg Ihres Gartens maximieren wollen. Und diese Ansprüche sind natürlich von Fall zu Fall verschieden.

    Was sollte man tun bei schwereren Böden?

    In solchen Fällen sollten Sie besser auf Kalziumoxid (Branntkalk) oder Kalziumhydroxid (Löschkalk) zurückgreifen. Branntkalk ist zum Beispiel in unbehandelter Holzasche enthalten.

    Hat Ihnen dieser Ratgeber weitergeholfen?

Lars Reibemann ist Redakteuer auf Weiterbildungsfibel.de. Er ist Experte im Bereich der Weiterbildungs- und Umschulungsmaßnahmen und veröffentlicht regelmäßig Inhalte zu verschiedenen bildungsrelevanten Themen.

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