Raufutter bildet die Nahrungsgrundlage für Schildkröten. Eine Versorgung mit tierischem Protein führt hingegen zu Schnellwüchsigkeit mit ausgeprägter Höckerbildung des Panzers. Fleisch ist prinzipiell tabu und Obst sollte nur selten angeboten werden. Im Gegensatz dazu unterstützen Wildkräuter eine artgerechte Haltung und bieten Abwechslung bei der Fütterung.
Tiergerechte Schildkrötenernährung
Junge Kräuter sind zart und scheinen für Schildkröten besonders empfehlenswert zu sein. Doch diese Denkweise trifft nicht zu. Bereits ausgewachsene Pflanzen besitzen mehr Mineralstoffe, Vitamine und Ballaststoffe. Wird nur weiches Futter gereicht, besteht zudem die Gefahr, dass sich ein Papageienschnabel bildet.
Schildkröten sind mit Hornschneiden ausgestattet, die wie die Krallen ein Leben lang nachwachsen. Diese Kauleisten nutzen sich bei faserreichem Futter ab. Idealerweise gedeihen Wildkräuter im Gehege, denn das Abzupfen beansprucht wiederum die hornigen Mundwerkzeuge. Mangelnde Abriebmöglichkeiten führen zu einem schnabelähnlichen Überbiss, der die Nahrungsaufnahme behindert.
Wildkräuter-Speisekarte für Schildkröten

Krautige Wildpflanzen werden von den gepanzerten Reptilien gerne verspeist. Doch nicht alle eignen sich, denn so manches Gewächs, z. B. das Kreuzkraut, verfügt über toxische Inhaltsstoffe. Genießer unter den Schildkröten freuen sich über folgende Leckerbissen:
Breit- und Spitzwegerich
Die hohen Anteile an Fasern und Kieselsäure (Silizium) machen Breit- und Spitzwegerich zu einer vorteilhaften Nahrung für Schildkröten.
Gänsedistel
Alle Teile (Blätter, Stängel, Knospen, Blüten) der Gänsedistel sind bei Schildkröten beliebt. Selbst die stacheligen Arten werden bedenkenlos angenommen.
Hirtentäschel
Kalium und Kalzium zählen zu den wertvollen Inhaltsstoffen, die im Hirtentäschel stecken. Für Schildkröten ist Kalzium unerlässlich, denn dieser Mineralstoff festigt Panzer und Knochen.
Knoblauchsrauke
Die zeitig im Jahr sprießenden Triebe der Knoblauchrauke dienen Schildkröten als willkommene Nahrungsquelle nach der Winterruhe. Neben diversen Mineralstoffen hält das würzige Wildkraut die Vitamin A und C bereit.
Klatschmohn
An den Blattrosetten des Klatschmohns finden sich Schildkröten bereitwillig zum Knabbern ein. Alkaloide stecken vorwiegend in den Kapseln, weshalb diese, um auf Nummer sicher zu gehen, besser nicht verfüttert werden sollten.
Labkraut
Sonst als lästiges Unkraut gefürchtet, stößt das Labkraut bei Schildkröten als kulinarisches Schmankerl auf starkes Interesse, besonders noch vor der Blüte.
Lattich
Die Urform aller Salate trägt reichlich Mineralstoffe und Vitamine in sich. Lattich entstammt dem europäischen Mittelmeerraum, dort wo auch die bekannteste Landschildkrötenart (Testudo hermanni) beheimatet ist.
Löwenzahn
Als Kalziumlieferant per excellence nimmt Löwenzahn als Schildkrötenfutter einen bedeutenden Rang ein. Dennoch taugt das Kraut nicht als Alleinfuttermittel. Nur die Vielfalt stellt eine ausgewogene Ernährung sicher.
Taubnessel
Ob mit weißer, gelber oder purpurroter Färbung der Blüten versehen, Taubnesseln erweitern mit ihren Vitalstoffen (u. a. Silizium) die Menüzusammenstellung für Schildkröten.
Vogelmiere
In den kleinen Blättchen der Vogelmiere verbirgt sich eine geballte Ladung an hochwertigen Ingredienzien. Schildkröten naschen mit Vergnügen an der niedrig wachsenden Pflanze.
Expertentipp
Bis Schildkröten ihren Winterschlaf beginnen, gibt es für gewöhnlich noch genug Grün zum Verfüttern. Anders im zeitigen Frühjahr. Der Start in eine neue Saison gewährt meist wenig Ausbeute. Wildkräuter im Spätsommer sammeln, trocknen und nach der Ruhephase als Nahrung anbieten verhindert Engpässe bei der Verköstigung. Zum Kräuterheu muss natürlich stets frisches Wasser zur Flüssigkeitszufuhr vorhanden sein.
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