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Dünger

Beinwelljauche herstellen

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Beinwelljauche herstellen

Ein Dünger, der gleichzeitig die Widerstandskräfte der gedüngten Pflanze gegen Krankheiten stärkt und diverse saugende Schädlinge fernhält, den jeder kostenlos und unkompliziert selber herstellen kann – das muss ein wahres Wundermittel sein.

Beinwelljauche erfüllt alle diese Bedingungen. Und sie ist wirklich einfach herzustellen.

Der Beinwell

Der Beinwell
Der echte Beinwell, Symphytum officinale, kommt mehr oder minder in ganz Europa vor. Er fällt durch seine großen, rau behaarten Blätter sowie die lilafarbenen Blüten, die gerne von Hummeln besucht werden, auf. Die Pflanze bildet Rhizome, die tief bis in den Boden hineinreichen. In freier Natur kommt sie vor allem an feuchten Standorten wie auf feuchten Wiesen oder in Bachnähe vor. Sie lässt sich jedoch auch wunderbar im Garten ziehen. Wenn eine uneingeschränkte Ausbreitung nicht erwünscht ist, sollte auf jeden Fall mit Rhizom- oder Wurzelsperren gearbeitet werden. Für die Beinwelljauche kann aber nicht nur der echte Beinwell verwendet werden; es eignen sich Pflanzenteile aller Beinwell-Arten. Drei- bis viermal im Jahr kann man Blätter vom Beinwell ernten, ohne dass ihm das schadet. Das letzte Mal sollte bis einschließlich August geschehen, damit die Pflanze noch Kräfte für den Winter sammeln kann.

Beinwelljauche und ihre Inhaltsstoffe

Beinwelljauche und ihre Inhaltsstoffe
Beinwelljauche enthält Kalium, Phosphat, Stickstoff, Spurenelemente, Kieselsäure und diverse Gerbstoffe. Gerade die Kieselsäure, Phosphat und die Gerbstoffe sind es, die die Pflanzen widerstandsfähiger machen, wenn sie mit Beinwelljauche behandelt werden. Stickstoff ist ein Treibstoff für das Wachstum der Pflanzen, Kalium sorgt für einen guten Wasserhaushalt. Beim Düngen mit organischen Düngern allgemein kann man davon ausgehen, dass sie nicht so schnell aufgenommen werden wie synthetische Dünger und daher eine Überdüngung mit Stickstoff weitgehend ausgeschlossen ist.

Wie setzt man Beinwelljauche an?

Wie setzt man Beinwelljauche an
Die ‚normale’ Art, Beinwelljauche anzusetzen, ist die folgende:

  • Zunächst einmal pflückt man ungefähr 1 kg Beinwellblätter.
  • Die Blätter werden grob zerpflückt und in einen Kunststoffeimer gegeben.
  • Dann gibt man 10 Liter Regenwasser dazu und deckt den Eimer mit einem alten Geschirrtuch oder einem ähnlichen Baumwolltuch ab, damit keine Tiere in der Jauche ertrinken, andererseits aber Luft an die Mischung kommt.
  • Nun muss die entstandene Mischung jeden Tag mit einem Holzstab umgerührt werden. Wenn die Jauche nicht mehr schäumt, ist sie fertig. Das dauert zwischen zehn und zwanzig Tagen, je nach Umgebungstemperatur.
  • Achtung: Der Ort, an dem die Jauche angesetzt wird, sollte nicht zu zentral liegen. Die Beinwelljauche entwickelt einen starken, unangenehmen Geruch. Steinmehl soll diesen etwas binden.

Eine wenig arbeitsintensive Art der Beinwelljauche ist die ‚trockene Jauche’ beziehungsweise das Konzentrat. Um diesen hoch konzentrierten Dünger herzustellen, braucht man einen kleineren Kunststoffeimer, der in den größeren hineinpasst. Dieser kleinere Eimer muss mit Löchern im Boden versehen werden.

  • Der kleinere Eimer wird in den größeren hineingestellt und 1 kg etwas zerkleinerte Beinwellblätter hineingegeben. Die Blätter werden mit einem bis zwei Backsteinen oder anderen großen Steinen beschwert – je nach Größe des Eimers und der Steine.
  • Oben auf die Eimer wird ein weiterer großer Stein oder ein Brett gelegt, um den Prozess abzudunkeln und Tiere fernzuhalten.
  • Nun muss man zwei Wochen lang überhaupt nichts tun. Nach dieser Frist hat sich im größeren Eimer eine dunkle Flüssigkeit gesammelt – das Beinwellkonzentrat. Will man es wie ‚gewöhnliche’ Beinwelljauche verwenden, muss es zunächst im Verhältnis 1:10 mit Wasser verdünnt werden. Man kann es aber auch in Flaschen oder Kanister abfüllen und erst anschließend verdünnen.

Anwendung der Beinwelljauche

Meistens wird Beinwelljauche im Gemüsegarten verwendet. Die Beinwelljauche wird 1:10 mit Wasser verdünnt und kann dann als Flüssigdünger rund um starkzehrende Pflanzen wie Kürbis, Zucchini, Kohl und Tomaten ausgebracht werden. (Achtung: Beinwellkonzentrat wird also insgesamt 1:100 mit Wasser verdünnt!) Allerdings sollte die Jauche nur auf den Boden rund um die Pflanzen und nicht auf die Pflanzen selber gegeben werden, weil sie zu scharf ist für die Blätter und diese schädigt. Die Jauche ist auch für starkzehrende Sommerblumen im Beet und für Topfpflanzen geeignet. Während der Wachstumsphase wird diese Anwendung alle ein bis drei Wochen wiederholt.

Alternativ kann die Jauche durchgeseiht und dann noch einmal 1:20 verdünnt werden. Nun eignet sie sich auch zum Spritzen auf die Blätter. Diese Anwendung kann alle zwei bis vier Wochen wiederholt werden. Die Reste vom Abseihen können auf den Kompost oder als Mulch für Beerensträucher verwendet werden.

Die Kombination macht es

Man kann auch eine Mischung aus Beinwell- und Brennnesseljauche ansetzen, dann enthält die entstehende Jauche zusätzlich noch Eisen und Magnesium. Auch Ringelblumen können beigefügt werden – sie erhöhen den Gehalt an Kalium.

Expertentipp

Beinwell ist noch viel vielseitiger als nur zur Herstellung von Beinwelljauche verwendbar. Seinen Namen hat er daher, dass er schon vor zweitausend Jahren bei Knochenbrüchen zur Beschleunigung der Heilung eingesetzt wurde. Auch heute noch wird er in der Naturheilkunde äußerlich zur besseren Heilung von diversen Sportverletzungen eingesetzt.

Im Garten helfen zerkleinerte Beinwellblätter ins Pflanzloch gegeben Pflanzen beim Anwachsen.

Beinwellblätter mit in den Kompost gegeben beschleunigen den Zersetzungsprozess.

Ein Tee aus Beinwellblättern (Blätter mit heißem, aber nicht kochendem Wasser übergießen, 20 Minuten ziehen lassen, abgießen und dann abkühlen lassen) oder ein Kaltauszug aus Beinwellblättern (Blätter mit kaltem Wasser übergießen, einen Tag ziehen lassen und dann abgießen) auf die Blätter von Pflanzen ausgebracht vertreibt saugende Insekten wie Blattläuse und Spinnmilben und hilft gegen Pilzerkrankungen wie echten Mehltau. Wenn nicht nur vorbeugend, sondern wegen akuter Erkrankung gespritzt wird, muss die Anwendung alle paar Tage erfolgen.

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Lisa ist begeisterte Hobby-Gärtnerin. Sie hat nicht nur einen bunten Garten mit Teich direkt vor ihrem Haus, sondern auch noch einen Schrebergarten, auf dem sie viel Gemüse anbaut. Als Garten-Redakteurin konnte sie ihr Hobby zum Beruf machen.

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