Connect with us

Schädlinge

Dickmaulrüssler wirkungsvoll bekämpfen

Lisa Schneider

Veröffentlicht

auf

Dickmaulrüssler wirkungsvoll bekämpfen

Seinen Namen trägt der Dickmaulrüssler zu Recht. Unersättlich frisst er sich mit breitem Maul durch nahezu alle Arten von Zierpflanzen. Schädigte er mit seinem Fraß bis vor einiger Zeit vor allem Weinbauern, so ist er mittlerweile ganz und gar kein Kostverächter mehr. Insbesondere Blätter von derberen, krautigen und verholzten Pflanzen wie Kirschlorbeer, Rhododendron oder Buchsbaum gehören zu seinen Lieblingsspeisen. Doch auch vor Kamelien, der Clematis, Rosen und Trompetenblumen, vor Erdbeerpflanzen oder Stauden macht er nicht Halt. Dennoch ist der flugunfähige, matt schwarze Käfer das kleinere Übel; seine Larven richten an den Wurzeln der Pflanzen weitaus größeren Schaden an. Wichtig ist deshalb, schnell aktiv zu werden und die Schädlinge zu bekämpfen.

Insektizide zur Schädlingsbekämpfung wenig erfolgreich und bedenklich

Der dämmerungsaktive Rüsselkäfer ist mit Kontaktinsektiziden kaum in Schach zu halten. Die Insektengifte müssen großflächig ausgebracht werden, um die Tiere zu erwischen. Allerdings schädigen die Mittel mit den Inhaltsstoffen Thiacloprid, Thiamethoxam oder Imidacloprid alle Insekten, auch Nützlinge wie Bienen. Die zuständige EU-Kommission hat aus diesem Grund jüngst ein vollständiges Verbot dieser chemischen Mittel zur Ungeziefervernichtung ausgesprochen. Zu den Neonicotinoiden gehörende Substanzen stehen auf diesem Index. Um das ökologische Gleichgewicht nicht zu stören, können Gartenliebhaber auf biologische Alternativen setzen. Ihr Einsatz ist nicht nur erfolgversprechender, sondern vor allem verantwortungsvoll gegenüber der Umwelt. Ein intakter Garten zieht zudem die nicht wenigen Fressfeinde des Käfers an. Für Igel, Spitzmäuse, Eidechsen, Maulwürfe, Spinnen, Tausendfüßer, den Laufkäfer und einige Vogelarten ist der Dickmaulrüssler ein wahrer Leckerbissen.

Effektiv gegen Dickmaulrüssler: das Absammeln der adulten Tiere

Macht sich ein Rüsselkäfer-Befall durch halbkreisförmige Fraßstellen – den sogenannten Buchtenfraß – an den Rändern der Pflanzenblätter bemerkbar, ist Eile geboten. Um sicherzugehen, dass es sich um den gefräßigen Dickmaulrüssler handelt, lässt sich dessen Aktivität in der Dunkelheit mit einer Taschenlampe überprüfen. Im Blätterwerk oder am Boden, direkt unterhalb der Pflanze, finden Gartenbesitzer die adulten Tiere. Sie sind zirka einen Zentimeter groß, besitzen Furchen auf dem Rücken, einen großen Rüssel und mittig abgeknickte Fühler. Um die Käferplage ein Stück weit einzudämmen, gehört das Absammeln der Tiere zur Bekämpfungsstrategie. Ideal dafür sind eine Stirnlampe und ein verschließbares Glas. Da die Käfer unmittelbar auf die Störung reagieren und sich schnell fallen lassen, sollte die Aktion in der Dämmerung mehrmals wiederholt werden.

Dem Schädling gezielt auf die Schliche kommen

Ebenfalls wirksam gegen die ausgewachsenen Exemplare des Rüsselkäfers sind Fallen. Der Käfer zieht sich am Tag in einen, meist gut versteckten Unterschlupf zurück. Normalerweise ist dieser schwer auszumachen, doch günstig positionierte und als optimales Versteck getarnte Objekte locken Otiorhynchus sulcatus in die Falle. Ein mit Rindenmulch oder Holzwolle gefüllter Blumentopf ist ein zweckdienlicher Hinterhalt im Kampf gegen den Käfer. Der Topf wird verkehrt herum und in leichter Schieflage direkt unter einer betroffenen Pflanze aufgestellt. Der Schädling wähnt sich tagsüber sicher und kann eingesammelt werden. Alternativ können größere, feuchte Holzstücke unterhalb der Pflanze ausgelegt werden. Verwendbar sind beispielsweise Brotschneidebretter mit Krümmelrillen, in die die Käfer mit Vorliebe hinein krabbeln. Für eine vollständige Eliminierung der Schädlinge sind jedoch weitere Maßnahmen und Mittel notwendig. Sie zielen vorrangig auf die Vernichtung der Käferlarven im Erdboden ab.

Ein empfehlenswertes biologisches Mittel: Neembaumkuchen

Die Samen des Neembaums enthalten ein für Insekten wie den Rüsselkäfer giftiges Öl. Der ausgepresste Samen mit einem Anteil Neemöl ist im Fachhandel erhältlich und wird direkt unterhalb der betroffenen Pflanzen im Erdreich ausgebracht. Empfehlenswert sind etwa 50 Gramm des Präparates pro Quadratmeter. Die Pflanze nimmt das Öl nach und nach auf und verdirbt sowohl den Käfern als auch den Larven grundlegend den Appetit. Das Neemöl dringt bis in die Pflanzenspitzen vor; die Schädlinge stellen nach einiger Zeit ihren Fraß ein. Um nachhaltig zu wirken, kann die Prozedur alle zwei Monate wiederholt werden. Bei dauerhaftem Niederschlag oder Tauwetter ist ein durchgehender Einsatz des Neembaumkuchens optimal. Allerdings wirkt er nicht allein gegen den Rüsselkäfer und seine Larven, sondern gegen alle Insekten im Boden. Deshalb ist eine Kombination mit den viel gepriesenen, räuberischen Fadenwürmern, den parasitären Nematoden, als wirkungsvolle Larvenvernichter kaum sinnvoll.

Der Einsatz von Nematoden als biologische Schädlingsbekämpfung

Ist der Dickmaulrüssler im Garten eingezogen, vermehrt er sich rasant. Ein Rüsselkäferweibchen legt zwischen Mai und August bis zu 800 Eier in humusreichen, sandigen Böden ab. Die sich daraus entwickelnden Larven fressen vor allem die Feinwurzeln ihrer Wirtspflanzen, verschmähen aber mit dem Älterwerden auch die Hauptwurzeln nicht. Der Einsatz von Nützlingen hat sich im Kampf gegen die Rüsselkäfer-Larven bewährt. Ähnlich wie die Larven des Dickmaulrüsslers leben Nematoden – mikroskopisch kleine Fadenwürmer – im Erdboden. Die winzigen Würmer bewegen sich im Bodenwasser fort und sind in der Lage, in die Larven einzudringen und diese, mit einem für Menschen, Haustiere und Pflanzen unbedenklichen Bakterium, in zwei bis drei Tagen abzutöten. Die Nematoden vermehren sich in ihrer Wirtslarve stetig weiter und sind deshalb ausgesprochen effektiv. Als biologische Schädlingsbekämpfung werden sie über das Gießwasser ausgebracht.

Expertentipp

Der Vertrieb von Nematoden, unter anderem der Art Heterorhabditis bacteriophora, erfolgt über den Fachhandel und spezialisierte Online-Shops. Sie kommen als frische Ware direkt mit der Post ins Haus. Da es sich dabei um Mikroorganismen, also lebende Tiere handelt, muss ihr Einsatz zeitnah erfolgen. Im Notfall überstehen sie kurze Zeit bei kühlen Temperaturen. Damit sich die Fadenwürmer im Erdreich optimal ausbreiten und tatkräftig zu Werke gehen können, sind die folgenden Rahmenbedingungen ideal:

  • Vor und nach der Nematoden-Ausbringung die Pflanzen gründlich wässern, ohne Staunässe zu verursachen.
  • Die Bodentemperatur liegt idealerweise zwischen 15 und 25 Grad Celsius – je wärmer, desto besser.
  • Durch die Lichtempfindlichkeit der Nützlinge ist die Ausbringung abends oder bei bewölktem Himmel ratsam.
  • Die Ausbringung erfolgt mit dem Gießwasser; ideal ist Grundwasser oder abgestandenes Leitungswasser.
  • Beim Gießen aus niedriger Höhe regelmäßig schwenken, damit sich die Organismen gleichmäßig verteilen.
  • Die Nematoden-Behandlung wirkt über längere Zeit und sollte im Abstand von zwei Jahren wiederholt werden.

Häufig gestellte Fragen

In welcher Jahreszeit ist die Ausbringung von Nematoden sinnvoll?

Um den Larven im richtigen Moment zu Leibe zu rücken, ist der Nematoden-Einsatz von April bis Mai und ein weiteres Mal von August bis September optimal.

Wie kann einem Dickmaulrüssler-Befall vorgebeugt werden?

Häufig werden die Schädlinge mit neuen Pflanzen in den Garten eingeschleppt. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Pflanzen - ihr Blatt- und Wurzelwerk - auf Käfer und Larven zu überprüfen. Darüber hinaus ist ein naturnaher Garten mit zahlreichen Fressfeinden ein guter, präventiver Schutz.

Helfen Hausmittel wie Rainfarntee, Wermutjauche, Kaffeesatz oder Knoblauch gegen Dickmaulrüssler?

Der Einsatz der Hausmittel ist teils sehr aufwendig und wirkt, aufgrund der schnellen Vermehrung des Schädlings, nur bedingt. Da die Larven im Boden überwintern und sich im Frühjahr verpuppen, führt eine langfristige Strategie zum Erfolg. Wermutjauche wird allerdings ebenfalls ein Erfolg gegen Ameisen und Schnecken nachgesagt.

Hat Ihnen dieser Ratgeber weitergeholfen?

Lisa ist begeisterte Hobby-Gärtnerin. Sie hat nicht nur einen bunten Garten mit Teich direkt vor ihrem Haus, sondern auch noch einen Schrebergarten, auf dem sie viel Gemüse anbaut. Als Garten-Redakteurin konnte sie ihr Hobby zum Beruf machen.

Klicken Sie, um zu kommentieren

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Gerade populär