Tomaten ausdünnen – ja oder nein?

Tomaten werden in unzähligen Hausgärten angepflanzt und begeistert geerntet. Jeder Gartenbesitzer möchte sich über einen reichen Ertrag der saftigen Früchte freuen. Für den guten Ernteerfolg gilt die Empfehlung die Pflanzen auszugeizen. Warum ist das Ausgeizen der Zwischentriebe so wichtig und müssen die überschüssigen Triebe unbedingt entfernt werden? Erfahren Sie welche Tomatenpflanzen ausgegeizt werden, wie und warum und bei welchen Tomaten der Aufwand überflüssig ist.

Tomaten ausdünnen oder wachsen lassen

Die Tomate stammt ursprünglich aus Mittel- und Südamerika. In ihrer Heimat hatten die Tomaten eine lange Zeit zum Blühen und Früchte entwickeln. Unsere Sommer sind kürzer, können auch recht nass ausfallen. Es kommt also darauf an, dann in recht kurzer Zeit viele, schöne große Früchte erzeugt werden. Das gelingt am besten, wenn sich die Pflanze ganz der Entwicklung von Blüten und Früchten am kräftigen Hauptstamm konzentrieren kann.

Je mehr zusätzliche Zweige ausgetrieben werden, desto dichter und blattreicher ist die Tomate. Bei häufigem Regen kann das dichte Blattwerk nicht gut genug trocknen. Pflanzenkrankheiten wie die Braunfäule oder Krautfäule können sich ausbreiten. Auch nimmt das dichte Blattwerk den jungen Früchten Licht. Die Tomaten bleiben eher klein und nehmen langsam eine schöne rote Farbe an.

Ein weiteres Problem ist, dass die Triebe zwischen zwei Zweigen recht groß und kräftig werden können. Die Pflanze lässt sich dann nur noch mit Schwierigkeit gut abstützen und anbinden. Wachsen die Tomaten sowohl in die Höhe wie Breite, braucht jede Pflanze viel mehr Platz, obwohl sie weniger und kleinere Früchte trägt. Für geringere Erträge bräuchten Sie eine größere Fläche. Das klingt nicht sehr effektiv.

Werden die Tomatenpflanzen dagegen gleich von Anbeginn regelmäßig ausgegeizt und auch das Blattwerk ausgedünnt, geht alle Kraft in die Entwicklung der Fruchtstände. Sie erzielen eine reichhaltige Ernte mit schönen, großen, leuchtend roten Tomaten. Die Pflanzen sind weniger krankheitsanfällig. Die Arbeit beim Ausdünnen lohnt sich.

Tomaten ausdünnen – Vor- und Nachteile


Hier noch einmal die positiven Effekte und die Nachteile in der Zusammenfassung:

Vorteile

  • Mehr Pflanzen auf geringerer Fläche
  • Reiche Fruchtstände, größere Tomaten
  • Besser Schutz vor Pflanzenkrankheiten

Nachteile

  • Mehr Arbeitsaufwand durch wöchentliches Ausdünnen
  • Fehler beim Ausgeizen schaden der Pflanze und mindern den Ertrag
  • Schmerzende Finger durch das manuelle Abknipsen

Tomaten richtig ausgeizen und Blattwerk ausdünnen


Ein paar Tipps in Kürze:

  • Verzichten Sie auf die Schere
  • Benutzen Sie dünne Latexhandschuhe
  • Brechen oder knipsen Sie auch grüne Blätter mit der Hand ab
  • Dünnen Sie jede Woche ab Entwicklung der ersten Zwischentriebe aus

Der Hauptstamm entwickelt sich beim Wachsen aus den Samen zuerst. Im Laufe der Zeit wachsen seitlich Triebe aus dem Hauptstamm. Entwickelt sich die Tomatenpflanze weiter, beginnt zwischen zwei starken Trieben (Fruchttrieben) jeweils in der Achsel ein neuer Mitteltrieb zu sprießen. Diese Achseltriebe zeichnen sich durch ein sehr schnelles Wachstum aus. Werden sie nicht beachtet, können sie so dick werden wie der Hauptstamm.

Es ist zwar ein zusätzlicher Zeitaufwand, die Pflanze ständig auf solche Achseltriebe zu untersuchen, doch die frühe Entfernung erleichtert die Arbeit. Ist der Trieb erst einmal größer und dicker, lässt er sich nur noch mühsam herausbrechen. Beim Abbrechen können Fruchttriebe verletzt werden. Daher darf hier ausnahmsweise die Schere zum Einsatz kommen. Das erhöht aber die Gefahr von größeren Pflanzenwunden, die anfällig für Fäulekeime und andere Krankheiten sind.

Sowohl für Tomate wie für Gärtner/in ist es besser, so früh wie möglich diese Achseltriebe zu entfernen. Das wird als Ausgeizen bezeichnet. Nehmen Sie den kleinen Trieb zwischen Daumen und Zeigefinger und knipsen sie ihn mit den Fingernägeln ab. Gegen den Pflanzengeruch und Hautreizungen können Sie sich schützen, indem Sie dünne Latexhandschuhe anziehen oder die Finger dick mit einer fettreichen Creme einstreichen, die nicht zu schnell einzieht. Die Tomatenpflanze wird regelmäßig ausgegeizt, bis alle Früchte voll entwickelt sind.

Ebenso wichtig ist die Entfernung eines zu dichten Blätterkleides. Besonders die Blätter am unteren Stiel nehmen ständig beim Wässern auf. Auch das ist der Entwicklung Braun- und Krautfäule zuträglich. Zu dichtes Blattwerk an den Fruchttrieben kann die Fruchtentwicklung unnötig beschatten und trocknet nach dem Wässern und nach Regen nicht schnell genug ab. Auch die Blätter werden abgeknipst oder abgebrochen.

Während das Entfernen der Blätter relativ einfach ist, muss das Ausgeizen ein wenig geübt werden. Die Pflanze soll dabei so wenig wie möglich verletzt werden. Auch dürfen dabei die Fruchtriebe neben dem Zwischentrieb nicht beschädigt werden. Haben Sie nicht den Ehrgeiz, gleich so schnell wie ein Gartenprofi zu sein. Arbeiten Sie anfangs langsam und sehr vorsichtig. Tempo und Leichtigkeit kommen mit zunehmender Routine.

Expertentipp

Sie haben wenig Zeit und möchten dennoch Tomaten anpflanzen? Pflanzen Sie Busch- und Strauchtomaten. Ersparen Sie sich das mühsame, häufige Entfernen der kleinen Zwischentriebe. Im Unterschied zu den Stabpflanzen gilt für diese Strauch- und Buschpflanzen: Je mehr Zweige, desto mehr Tomaten.

Buschtomaten und Strauchtomaten eignen sich bestens für den Balkon oder die Fensterbank. Die buschigen Pflanzen werden in der Regel nicht höher als 100 cm. Wenn Sie trotz geringem Pflegeaufwand viel ernten möchten, sind diese Wildtomaten auch für den Garten perfekt. Außerdem sind die kleinen Tomaten der perfekte sommerliche Snack für zwischendurch.

Häufig gestellte Fragen

Können Tomaten auch zusätzlich oben abgeschnitten werden?

Stabtomaten können sich zu regelrechten Tomatenbäumen entwickeln. Sie können die Pflanze über dem 6. Trieb einfach abbrechen oder mit einem Messer kappen, wenn sie zu dick ist. Auch das ist eine Form der Fruchtförderung.

Wie schädlich ist es, wenn die Tomaten im Urlaub nicht ausgedünnt werden?

Das hängt von der Länge der Reise ab. Nach zwei Wochen ist es etwas mühseliger. Meist lassen sich die Triebe noch vorsichtig abbrechen. Eventuell benutzen Sie dann die Schere oder ein Messer.

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