Die
traditionelle Form der künstlichen Vermehrung von Obstbäumen ist die
Veredelung. Dabei werden Teile eines Baumes, die so genannten
Edelreiser bzw. Edelaugen, auf einen anderen Baum, die Unterlage,
transplantiert. Sie wachsen zu einem einzigen Baum zusammen.
Wichtig für das Gelingen ist eine
enge Verwandtschaft der verbundenen Teile
Angewendet
wird die Veredelung bereits seit dem Mittelalter, der genaue Ursprung
ist unbekannt. Hintergrund für die Veredelung ist hauptsächlich der
Erhalt der Sortenreinheit mit den individuellen Eigenschaften der
ursprünglichen Obstsorte.
Ein anderer Grund ist die
Anpassung des Edelreises an bestimmte Bedingungen. Wenn das eigene
Wurzelsystem des Edelreises nicht zum jeweiligen Bodentyp passt,
krankheitsanfällig oder zu schwach ist, können durch die Veredelung auf
eine passende Unterlage die Anbauvoraussetzungen einer bestimmten
Obstsorte wesentlich verbessert werden.
Die
Unterlage bildet also das Wurzelsystem und die Edelreiser die Krone des
neuen Baumes. Stark wachsende Unterlagen ergeben große Bäume,
schwachwüchsige Unterlagen eher kleine. Auch die Größe der Früchte wird
zum Teil durch die Unterlage bestimmt.
Zu Beginn der
Wachstumsperiode wird die Krone des Baumes, der veredelt werden soll,
zurück geschnitten. Ein schwächerer Zugast zieht die Baumsäfte an und
erleichtert dem Edelreis so das Anwachsen.
Am besten
zum Veredeln geeignet sind gesunde, einjährige und gut ausgereifte
Edelreiser. Sie werden während der Vegetationsruhe im Dezember oder
Januar vom Mutterbaum geschnitten. Wichtig sind saubere und glatte
Schnitte mit sterilen Werkzeugen, um Pilzinfektionen zu vermeiden.
Überwintert werden die Edelreiser in feuchtem Sand, um sie vor
Austrocknung zu schützen. Abgedeckt mit Erde, überstehen sie auch
Minusgrade. Spezielle Kühlzellen übernehmen die gleiche Funktion. Ein
Reis sollte drei Knospen aufweisen, wobei der obere Schnitt kurz über
der letzten Knospe sitzt, ohne sie zu verletzen.
Es
gibt verschiedene Techniken der Veredelung; je nach Jahreszeit kann die
eine oder andere günstiger sein. Die Kopulation sorgt vom Februar bis
April für die besten Ergebnisse. Hier muss auf die gleiche Stärke von
Unterlage und Reis geachtet werden. Beide werden in gleichem Winkel
flach angeschnitten und übereinstimmend festgebunden.
Ein Wundverschlussmittel
verhindert das Eindringen von Wasser und Luft
Die
Okulationstechnik ist für die Monate Juli und August gut geeignet. Dazu
wird aus einem frischen Zweig ein kräftiges Auge geschnitten,
entsprechend vorbereitet und hinter einen T-förmigen Ausschnitt in der
Unterlage geklemmt. Wundverschluss und Bast sichern die
Veredelungsstelle bis zur weiteren Bearbeitung im nächsten Jahr. Die
Geißfußveredelung verbindet zwei unterschiedlich starke
Veredelungspartner. Das Pfropfen eignet sich vor allem für dickere Äste
und ist auch für Anfänger leicht erlernbar und daher weit verbreitet.