Ähnlich wie die Stecklingsvermehrung gehört auch die Vermehrung durch Steckhölzer zu den vegetativen Vermehrungsformen. Im Gegensatz zur Pflanzenzucht aus Samen erzeugen alle Formen der vegetativen Vermehrung ein genaues Abbild der Mutterpflanze. Wer also ein besonders schönes Exemplar einer Pflanze besitzt, etwa mit einer auffälligen Blattform oder –Zeichnung, einer ausgefallenen Blütenfarbe oder mit besonders wohlschmeckenden Früchten, der geht bei der vegetativen Vermehrung sicher, dass die erzeugte Jungpflanze genau dieselben Eigenschaften aufweist wie das Stammexemplar.
Ein weiterer Vorteil der vegetativen Vermehrung besteht in der zum Teil beträchtlichen Einsparung von Zeit. Manche Bäume und Sträucher brauchen viele Jahre, bis sie zum ersten Mal blühen und Früchte tragen, wenn sie aus Samen gezogen werden. Pflanzen aus vegetativer Vermehrung blühen und fruchten dagegen meistens schon nach wenigen Jahren.
Während man Stecklinge sowohl von krautigen Pflanzen als auch von Gehölzen schneiden kann, eignet sich die Vermehrung durch Steckhölzer, wie schon der Name nahelegt, nur für holzige Pflanzen, das heißt für Sträucher und Bäume. Dabei dürfen die Triebe nicht zu dünn sein. Gehölze mit sehr dünnen Trieben wie etwa die Ulme eignen sich nicht für diese Art der Vermehrung. Auch immergrüne Gewächse fallen für diese Vermehrungsform aus.
Steckhölzer werden grundsätzlich im Winter von ausgereiften einjährigen oder diesjährigen Trieben geschnitten, wenn der Baum oder Strauch seine Blätter bereits abgeworfen hat. Am besten ist der unterste Teil von einjährigen Trieben mit gut entwickelten Knospen und kurzen Internodien geeignet. Von Dezember bis Januar können die Steckhölzer gewonnen werden. Sie sollen etwa 15 bis 20 cm lang sein und unten direkt unter einem Auge und oben direkt über einem Auge schräg abgeschnitten werden.
Bis zum Frühling müssen die gesammelten Steckhölzer nun dunkel, feucht, aber nicht nass, und frostfrei gelagert werden. Dazu dienen Kisten oder auch Plastiktüten, die mit feuchtem Sand, Torfmoos oder einem Torf-Sand-Gemisch gefüllt werden. Die Steckhölzer sollen zu etwa zwei Drittel ihrer Länge mit Substrat bedeckt sein. Als Aufbewahrungsort kann ein unbeheizter Keller oder Schuppen dienen. Regelmäßiges Lüften ist wichtig, um zu verhindern, dass sich Schimmel bildet.
Im Frühjahr können die Steckhölzer dann in ein unbeheiztes Frühbeet mit Abdeckung, einen so genannten kalten Kasten, gesteckt werden. Die Erde soll nahrhaft und etwa 30 bis 45 cm tief sein. Zusätzlich kann die Bodenoberfläche mit Kompost bedeckt werden. Die Steckhölzer werden mindestens so weit, wie sie im Winter mit Substrat bedeckt waren, schräg in die Erde gesteckt. Das oberste Auge muss jedoch auf jeden Fall sichtbar bleiben.
Den Sommer über wird das Beet gleichmäßig feucht gehalten und bei Bedarf leicht schattiert. Bis zum Herbst haben sich die Steckhölzer bewurzelt und können nun je nach Wunsch in Töpfe oder ins Freiland gepflanzt werden.